MU19 Elite Saisonschlussbericht - Ein abprubtes Ende der ersten Elitesaison

Wir würden uns heute Freitag, den 20. März auf ein Burnerwochenende mit einem Heimspiel gegen Suhr Aarau und einem Auswärtsspiel gegen Pfadi Winterthur vorbereiten. Wir wären wohl bis in die Haarspitzen motiviert. Doch stattdessen sind unsere Gedanken an einem anderen Ort. Ein Winzling von etwa 0.0005 Millimeter Grösse, der offiziell nicht einmal zu den Lebewesen gehört, steht im Lebensmittelpunkt aller. Die Gedanken des Schreibenden sind bei den Familien der Spieler in der Hoffnung, dass alle gesund sind, beim Verein, welcher aktuell wie jeder andere um sein finanzielles Überleben kämpft und in der Zukunft, welche Ende März im Sport noch selten so ungewiss war. Doch gleichzeitig ist der Schreibende auch zuversichtlich, weil die Spieler ihr Möglichstes tun, um gesund zu bleiben, der Verein mit der Forti-Family auf ein starkes Netzwerk zurück greifen kann und die Zukunft trotz Corona noch selten so rosig aussah, weil die Nachwuchsabteilung dank jahrelang solider Arbeit auf einem sehr stabilen Grundgerüst steht. Nichtsdestotrotz ist es an der Zeit die bereits Mitte März vergangene Saison Revue passieren zu lassen.

Nach dem glorreichen dritten Eliteaufstieg des Pionierjahrgangs ist es zum dritten Mal der 2002er-Jahrgang, welcher in eben dieser Saison ihre Elitesaison im U17 auf dem sensationellen dritten Tabellenplatz beendete, der von dieser Vorarbeit profitieren kann. Der Vorzeigejahrgang vom RLZ Fürstenland hat in den letzten vier Jahren stets einen Steigerungslauf hingelegt. In der ersten Saison hatten sie jedoch stets Probleme und landeten am Ende der Saison jeweils im hinteren Tabellendrittel. Mit neu vier Trainings pro Woche und drei Athletikeinheiten sowie viel Teamspirit soll dem entgegengewirkt werden. Die Trainer spürten seit Längerem, dass eine Einheit gewachsen ist, welche langsam, aber sicher funktionierte. Es steht für die meisten ein Zweijahresprojekt bevor. Die Spieler setzten sich aber gemeinsam im ersten Jahr bereits grosse Ziele. Sie wollten die beste Deckung der Liga stellen und so den dritten Tabellenplatz angreifen. Dies ist bestimmt ein hoch gestecktes Ziel für das wohl jüngste Team in der Liga, doch zeigt es auch die klare Vorwärtsstrategie der Mannschaft.

In der Vorbereitung wurde trotz der sehr erfolgreich gespielten 3:2:1-Abwehr die 6:0-Abwehr nebst der Athletik und der individuellen Entwicklung als Hauptziel gesetzt. Dies mit dem Wissen, dass jedes Topteam früher oder später auf zwei funktionierende Deckungssysteme zurückgreifen kann. Doch so ein System braucht viel Trainings- und Spielzeit bis es funktioniert. So gingen die ersten Testspiele gegen das Unterklassige OHA sogar verloren und die LakeSideChallenge wurde auf dem fünften von zehn Plätzen abgeschlossen, obwohl die Trainingsqualität stimmte. Manch einer wurde bereits ein bisschen ungeduldig. Mit einem individuellen Athletikplan wurden die Spieler, in die wohl verdienten Sommerferien verabschiedet und im August wieder für das Trainingslager in Freudenstadt aufgeboten. Im Trainingslager und in der Vorbereitungsphase 2 zeigte das Team eine verblüffende Trainingsintensität. Alle fünf Testspiele gegen die 2.-Ligateams wurden gewonnen. Bis auf die bittere und schwere Schulterverletzung von Linkshänder Kuhn, welcher der Geheimtipp für die anstehende Saison war, schien das Team top bereit für die Saison zu sein. In den ersten vier Spielen warteten aber auch die wohl vier grössten Hürden der Liga.

Die Forti-Truppe startete wie die Feuerwehr gegen Thun im ersten Spiel und ging mit einem grossen Polster in die Pause. Genauso unerklärlich war dann aber der Zusammenbruch in der zweiten Halbzeit. Das erste Spiel ging unentschieden aus. Die drei folgenden Spiele gegen HSG Nordwest, Kadetten Schaffhausen und Pfadi Winterthur, allesamt Meisterschaftskandidaten, wurden zwar gut gespielt aber alle verloren. Der Blick auf die Tabelle war kein schöner, die Stimmung teils nicht mehr ideal. Dank eines großartigen Fights in Luzern war dann der erste Sieg endlich Tatsache. Es folgte ein Kantersieg gegen die SG Möhlin. Nun sind die Forti-Jungs in der Liga angekommen. Nach einer bitteren Auswärtsniederlage in Aarau starteten die Ostschweizer dann richtig durch und gingen in sieben Spielen in Folge nicht als Verlierer vom Platz. Eine wirklich tolle Zeit, in welcher sich vor allem Schlussmann Niedermann nach langer Entwicklungsphase wie ein guter Wein, aus dem Nichts profilierte und Spiel für Spiel fantastische Quoten lieferte. Auch die neue 6:0-Deckung mit dem blutjungen Deckungschef Sostizzo brach die Gegner vor unerklärbare Probleme. Die zwei genannten Spieler waren nebst Mr. Zuverlässigkeit Inauen und der Nationalmannschaftsflügelzange das Prunkstück dieser Erfolge. Captain Rügge hat es in der langen gemeinsamen Zeit auch hingekriegt eine Einheit aus seiner Mannschaft zu bilden, in welcher jeder seinen Platz fand und so diese Erfolgsserie ermöglichte. Unerklärlicherweise konnte aus dieser starken Deckungsleistung noch viel zu selten über das Tempospiel Profit gezogen werden.

Kaum etwas hält ewig. Im Rückspiel in Zürich versagte die Offensive und in Thun wurde gefühlt ohne Abwehr und Torhüter gespielt. Beide Spiele gingen verloren. Im letzten Spiel aber eigentlich erst dem 17. Saisonspiel machten die Forti-Jungs mit einer sehr guten Teamleistung den mathematischen Ligaerhalt gegen Möhlin bereits früh sicher.

Der Rest ist bekannt. Der Winzling beendete die Saison frühzeitig und betrog die Leistungssportler des ganzen Landes um ihren Lohn. Niemand weiss nun genau, was seine Saison Wert ist. Die Tabelle der MU19 Elite ist schwer einzuordnen. Mit ein bisschen Optimismus wäre ein vierter Tabellenrang noch möglich gewesen. Doch das werden wir genau so wenig erfahren, wie ob die junge Mannschaft vielleicht doch noch gegen Pfadi Winterthur oder Suhr Aarau, die beiden Teams auf den Play Off Plätzen, hätte gewinnen können. Die Task Force vom SHV hat entschieden, dass die Saison 202/21 wie die Saison 2019/20 beginnt, sprich faktisch wiederholt wird. Für Forti mit dem sich auf dem Abstiegsplatz befindenden U15 ein durchaus glücklicher Entscheid (Link SHV-Entscheid).

Auch im neu gegründeten schweizweiten U19-Cup wurde gespielt. Im 1/16-Final deklassierte Forti die unterklassige HSG Leimental. Im Achtelfinal folgte ein Kantersieg in Lausanne. Im Viertelfinale wurde das Abenteuer aus lauter Auswärtsspiel dann in Zürich klar beendet.

Schauen wir noch kurz in die ungewisse Zukunft. Die drei 2001er werden in die Aktivabteilung von Fortitudo abgeben. Ebenfalls werden die zwei Nationalspieler die Vorbereitung bei den Herren absolvieren, könnten aber noch ein resp. mit Schneider sogar zwei Jahre Junioren spielen. Der grosse Rest (35 Spieler!) wird nächste Saison die ganz grossen Ziele angreifen. Es wird in zwei Teams (Futuro und Elite) trainiert und gespielt. Die Trainercrew hat den Luxus auf ein qualitativ gutes und vor allem sehr breites Kader zählen zu dürfen. So ist auch für niemanden Zeit und Möglichkeit sich auszuruhen. Wann die Vorbereitungsphase beginnt, weiss höchstens dieser Winzling. Die Hallen sind auf jeden Fall bis mindestens den 30. April geschlossen und die Spieler mit individuellen Athletikprogrammen ausgerüstet. Trainer Kramer, welcher noch einen Vertrag bis 2021/22 besitzt, darf weiterhin auf seinen erfahrenen Assistenten Urs Osterwalder vertrauen. Torhütertrainer wird neu Gabor Busa sein, welcher aus Ungarn zu den Gossauern gestossen ist. Das Futuroteam wird ebenfalls von Busa und mehreren jungen Gossauern geleitet.

An dieser Stelle bleibt dem Schreibenden noch zu danken. An erster Stelle möchte ich Urs Osterwalder von ganzem Herzen danken. Unglaublich, was der selbstständig Erwerbstätige dreimal pro Woche ohne Vertrag in der Halle leistet! Nebst seiner enormen Erfahrung, welcher er dem Team gibt, schleift er täglich an den Skills der Aussenspieler und hält die Deckung zusammen. Nach zwei Jahren müssen wir uns von unserem Franzosen Ronan Le Peillet im Team verabschieden. Er ist verantwortlich, dass Lars Niedermann diese Leistungsexplosion machen konnte und Nick aus dem Nichts Eliteniveau bekam. Wo es ihn hin zieht, ist noch nicht klar. Athletiktrainer Beat Gächter hat den Jungs stets ansprechende Trainingsprogramme geschrieben und sie fit gemacht. Roli Peyer hat den Jungs wieder hervorragende Bilder geschenkt. Nebst all den Helfern im Hintergrund, dem Verein und all seinen Sponsoren gebührt der Dank den Spielern und Eltern für ihren grossartigen Einsatz für dieses Projekt. Vier Abende pro Woche wird neben einem normalen Berufsleben zuverlässig und leistungssportorientiert trainiert. Das ist eine enorme Belastung.

Die erste MU19 Elite Saison bestritten haben: Bettenmann (6), Bischofberger (52), Brülisauer (4), Conscience, Gönültas (6), Inauen (101), Kuhn (v), Manser (2), Mattioli, Mitrovic (1 / beendet Leistungssportkarriere), Mosimann (9), Niedermann (TW), Osterwalder (96), Peyer (27), Pintarelli (6), Rügge (28), Schneider (100), Schönenberger (TW), Sostizzo (17), Stadler (15), Verlezza (11) und Zeller (69) gecoacht von Kramer, Osterwalder, Le Peillet und Gächter