MU19 Inter – Absolut verrücktes Derby – Hollywood hätte das nicht besser gestalten können!

Hitchcock in den Schlussminuten

Ostschweizer Handball Akademie (TSV St. Otmar)–RLZ Fürstenland (TSV Fortitudo Gossau) 27:28 (14:13)

Gegenstosstor – Abpraller - Wurf von der Mittellinie- Tor, hemmungsloser Jubel. Was da am Samstagnachmittag in der Oberzilhalle in St. Gallen abging, kann man fast nicht in Worte fassen. Doch der Reihe nach.

Während die Gossauer verlustpunktlos drei Runden vor Schluss nur noch rechnerisch nicht in der Finalrunde sind, stecken die St. Galler ihrerseits noch mitten im Kampf um jeden Punkt. Doch in einem Derby geht es nicht nur um Punkte. Das muss man keinem Sportler auf dieser Erde erklären. Die Fürstenländer wollten diesen Fight unbedingt gewinnen, mussten aber auf ihre Nr. 1 Halter, da der mit der 1. Liga unterwegs war, Deckungschef Peyer mit einer Fussverletzung und den einzigen Linkshänder Kessler aufgrund einer Schulterverletzung verzichten.

Die Otmärler starteten bissiger und vor allem konzentrierter in das von Beginn weg umkämpfte Derby. Die Gossauer Deckung war zu wenig aktiv und zeigte für ein Derby zu wenig Intensität. Die Gelb-Schwarzen hingegen setzten die Weiss-Schwarzen mächtig unter Druck, weshalb diese leider immer wieder Fehler produzierten. Die kompakte Deckung liess den Zweikampfstarken Fortianern fast keinen Platz. Shooter Brülisauer wäre hier gefragt gewesen, doch der erwischte für einmal keinen Sahnetag – vorweggenommen: mit einem Geniestreich am Ende hat er das alles wieder gut gemacht. Das Spiel war ein hin und her. Mal führte das Heimteam und mal das Gästeteam mit einem Tor. Bereits die erste Halbzeit war kein Spiel für schwache Nerven. Trainer Kramer versuchte die Gegner mit mehreren Deckungswechseln immer wieder vor neue Herausforderungen zu stellen. Doch Deckungstaktik funktioniert nur mit Engagement. Der Zuschauer konnte das leider nur bei der 3:3-Deckung sehen, welche energetisch nicht lange gespielt werden konnte. Doch auch die 3:3-Deckung mit vielen Steals blieb aufgrund von technischen Fehlern im Gegenstoss nicht von Erfolg gekrönt.

Nichts Neues zu Beginn der zweiten Hälfte: Beide Teams zeigten sich weiterhin bissig. Ab der 40. Minute gab es im Forti-Team einen Einbruch. Das Spiel drohte zu entgleiten. Im Time Out wurde der Fokus wiedergefunden, doch es reichte nicht, um den Viertorerückstand aufzuholen. Ab der 55. Minute gingen die Forti-Jungs mit einer Manndeckung volles Risiko. Es reichte aber nur, um ein Tor aufzuholen. Dazu kam noch eine Zweiminutenstrafe gegen Huber. Niemand glaubte mehr an nur einen Hauch einer Chance für die Fürstenländer. Doch offensichtlich ist im Sport alles möglich. Was in den letzten zwei Minuten geschah, zeigte den Fans alle Künste des Handballsports. «Am Ende entscheidet der Kopf über Sieg oder Niederlage» besagt eine berühmte Sportlerweisheit. Die Otmärler hatten sichtlich Angst vor dem Gewinnen. Bei den Gossauer hingegen ging ein Blitz durch das Team. Der unbändige Wille für den Sieg zeigte sich. Mit einer unkonventionellen pendelnden 3:2-Deckung wollten man den St. Gallern Passfallen stellen. Ja es ist kaum zu glauben. Die Passfalle funktionierte in 90 Sekunden dreimal. Das Resultat: Schneider lief dreimal in den Pass und konnte mit drei Gegenstosstoren den Ausgleich erzielen. Die Gelb-Schwarzen sichtlich extrem nervös, hatten die Chance im letzten Angriff den Siegestreffer doch noch zu erzielen. Doch U17-Torhüter Mannhart parierte den Distanzwurf, spielte den Ball sofort zu Captain Gutmann. Dieser wiederum passte ihn zu Brülisauer, der wohl noch die Worte des Trainers im Kopf, «Jetzt hast du 55 Minuten lang einen Mist gespielt, zeig mal bitte was du kannst.» hatte und ihn einwechselte. Topscorer Brülisauer hatte keine Zeit, fasste sich ein Herz und zog von der Mittellinie ab. Der ansonsten starke gegnerische Torhüter konnte den Ball nicht fassen. Der Ball hüpfte mit der Schlusssirene über sein Bein zum Derbysieg für die Gossauer. Die Emotionen explodierten. Die Gossauer feierten ihren Sieg ausgelassen. Eine unglaubliche Geschichte.

Doch der Schreibende warnt zugleich das Team. Bislang konnte man alle Spiele gewinnen, obwohl die Forti-Jungs nicht auf ihrem Level gespielt haben. Natürlich ist es auch eine Qualität, mit einer schwachen Leistung Spiele zu gewinnen. Doch auf die Finalrunde muss in diesem Bereich noch etwas gehen. Man wird nicht immer das Glück wie im Derby haben.

Das Derby gewonnen und damit auch rechnerisch den Finalrundeneinzug geschafft haben: Niedermann (6 Paraden), Mannhart (3 Paraden), Bischofberger (2), Brülisauer (3/3), Gutmann, Huber (2), Schneider (6), Stadler (1), Moser, Garbini, Verlezza, Frauenknecht (1), Rügge und Buchegger (4) gecoacht von Kramer, Le Peillet, Kessler (v) und Peyer (v)